Verzweiflung
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- Geschrieben von Karin Jahr
Verzweiflung
Was soll ich nur machen
wie kann ich diese Starre durchreissen
was kann den Bann durchbrechen
der dich gefesselt hält
wie kann ich dich noch einmal erreichen
du hörst meine Worte nicht mehr
die zu dir rufen
zwischen uns ist eine Wand aus Glas
vergebens versuche ich
tastend
auf dich zu zu gehen
welcher Wahnsinn
hat von dir Besitz ergriffen
wer hat sich deiner bemächtigt
von wem lässt du dich beherrschen
wer macht dich blind für alles Lebendige
wer nimmt dir die Zukunft
nur noch
tödliche Erstarrung
Totschlagargument
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- Geschrieben von Karin Jahr
Totschlagargument Rassismus
du kannst angeklagt werden
kannst beschuldigt werden
ein Rassist zu sein
nicht weil du dich gegen Fremde
aufgelehnt hättest
nicht weil du etwa gegen einen Afrikaner
Stimmung gemacht hättest
ganz im Gegenteil
weil einer gegen dich Stimmung macht
weil einer dich verunglimpfen will
weil einer es so will
ein Afrikaner der nicht Afrikaner
genannt werden will
der selber jedoch
Araber Araber nennt
oder Europäer Europäer nennt
so kann es gehen
Damals
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- Geschrieben von Karin Jahr
Du hattest damals
mit all deinen Kräften
gegen alle Schwierigkeiten
trotz aller Widerreden
etwas aufgebaut
du hast tausend Steine
die dir in den Weg gelegt wurden
weggeräumt
oft ganz alleine
hast dich mit Widersachern
rumgeschlagen
bis du es geschafft hattest
bis es vollendet war
du hast dein Werk
aus der Taufe gehoben
es war gelungen
es war zu einer
wichtigen Sache geworden
doch später
als du dein Werk
weiter gegeben hattest
wurdest du vergessen
man konnte sich nicht mehr erinnern
gleichsam
als wäre alles
von alleine gewachsen
damals
Brot des Lebens
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- Geschrieben von Karin Jahr
Brot des Lebens
Mir fällt es schwer
zu glauben
bei uns hätte einer
kein Brot
gar keine Nahrung
Was ich vermisse
das ist dieses
Brot des Lebens
diese Nahrung
ohne die wir
ausdörren
verhungern
sterben
nicht Mensch sind
Lebendig
ohne zu leben
gut genährt
aber leer
gut gekleidet
aber hohl
solange wir nicht
danach suchen
danach hungern
wird es uns
nicht gut ergehen
Mein Hirte
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- Geschrieben von Karin Jahr
Der Psalm 23 begleitete unsere Familie während des Krieges,
während unserer Flucht und in der Fremde.
Jetzt bat mich eine Freundin zu diesem Psalm etwas zu schreiben,
Er ist mein Hirte
Er der Allgegenwärtige
der Unbegreifliche
der Geheimnisvolle
der ganz Andere
Er lässt mich ruhen auf grünen Auen
Er bringt mich zu frischen Wassern
Er erquicket meine Seele
Er führet mich auf rechtem Wege
wenn ich durch finstere Täler wandere
fürchte ich kein Unglück
denn Er ist bei mir
Er
der mein Anfang und mein Ende ist