Was ist "gute Arbeit"?

Martin Luther meinte, dass durch Arbeit kein Mensch stirbt, aber durch Müßiggehen die Leute sich um Leib und Leben bringen. "Denn der Mensch ist zur Arbeit geboren wie der Vogel zum Fliegen". 

Papst Johannes Paul II schrieb 1991 in Laborem exercens: "Die Arbeit ist eine fundamentale Dimension der Existenz des Menschen auf Erden". Hört man auf den Papst so ist gute und gerechte Arbeit: Vor allem ein festes, verlässliches Einkommen sowie einen sicheren unbefristeten Arbeitsplatz.  

Und : Die Arbeit soll abwechslungsreich und sinnvoll sein. 

Stolz und selbstbewusst soll die Arbeit machen. 

Geschätzt als Menschen sollen die Arbeitenden sein, mit privaten Ansprüchen und Problemen.

Nicht bloß Kostenfaktor und hineingetrieben in ein Leistungsrennen.

Fachlich und beruflich gefördert und anerkannt. Gestärkt in Eigenverantwortung. 

Gefordert durch konstruktive Kritik und getragen von Kollegen. 

Die Arbeit soll abwechslungsreich sein und der Arbeitsablauf steuerbar. 

Eigene Kompetenzen soll man entwickeln können und Weiterbildung im Betrieb möglich sein. 

 

Was "gute und gerechte Arbeit" sei

sollte man vielleicht  an erster Stelle diejenigen fragen,

die kein Geld- und Sachvermögen haben

und keine hohe, weise Stellung 

sondern nur ihr Arbeitsvermögen, 

das sie verkaufen müssen, um leben zu können.

Denn über vielen Arbeitsplätzen liegen dunkle Schatten: 

karge Löhne, Unsicherheit, Angst den Arbeitsplatz zu verlieren,

einseitige Beanspruchungen…

Denn Erwerbsarbeit ist Marktware.

Menschen werden gebraucht, verbraucht, missbraucht, gekündigt, entwürdigt.

für Lohn, für Niedriglohn, für Hungerlohn.

 

Wohl wird Erwerbsarbeit als Schlüssel 

zu Wohlstand, Glück, Anerkennung, Ehre gehandelt

Aber Erwerbsarbeit ist Mangelware.

Viele sind auf der Suche, stehen an, bieten sich an, 

unermüdlich, und gehen leer aus.

Draußen vor den Türen stehen sie, fühlen sich unnütz, 

ohne Ansehen, ohne Sozialstatus, ohne  Selbstwert

arm, elend, einsam, resigniert.

Prekär, sagt man.

Selber Schuld, sagt man. Wer sucht, der findet! 

Und die Politik.

Ist die Politik nicht längst entmündigt und entmachtet trotz öffentlichem Gehabe und beschwörendem Gerede?  

Hat das Sagen über die Arbeit der Menschen nicht längst der globale Finanz -und Wirtschaftskapitalismus? 

Mit seinen menschenverachtenden Defiziten und sozialen Zerstörungen,

mit seinem kannibalismus-ähnlichen Verzehr arbeitender Menschen 

mit seinem Wachstumswahn

mit seinem Habgierwahnsinn

mit seiner weltweiten Armutserzeugung für unzählige Menschen,

mit seiner Klima- und Naturverachtung.   

Vereinfacht lautet die betriebswirtschaftliche Logik dieses Systems:  

Der Mensch ist Kostenfaktor. Den gilt es zu minimieren.

Der Beitrag (ooh) des Kapitals ist heiliger Gewinn. Den gilt es zu maximieren. 

 

 

 

 

 

Das Memorandum in dem alle Religionsgemeinschaften unseres Landes sich gemeinsam dafür einsetzen, damit in unseren Schulen Wahlfreiheit sein soll zwischen einem von der Regierung geplanten Werteunterricht und einem von den verschiedenen Religionen getragenen Einführungsunterricht in das Religiöse ist kein politischer Schachzug. Es ist ein geistiger Fortschritt, ein neuer Weg, eine unerwartete Öffnung hin auf ein Zusammengehen, das unsere Gesellschaft heute besonders braucht.

Damit hatte die Regierung nicht gerechnet. Wie man auch der angesprochenen Problematik gegenübersteht, eines sollte klar sein: es muss zu einem fundierten Gespräch zwischen der Regierung  und dem Rat der Religionsgemeinschaften kommen. Die starre, ablehnende Haltung des zuständigen Ministers ist unverständlich. Hier zeigt sich, wie auch in anderen Bereichen des politischen Lebens, die mangelnde Gesprächsbereitschaft der aktuellen Regierung. Oder zeigt sich dort tiefe Ratlosigkeit. Ich gehe davon aus, dass hier nicht kurzsichtige und vereinfachende Überheblichkeit am Werke ist. Der so leichtfertig gebrauchte Ausdruck "Trennung von Kirche und Staat" birgt ein sehr komplexes Geschehen. Man täte besser von Entflechtung zu sprechen. Geschichtlich Gewachsenes braucht eine gerechte, behutsame und lautere Behandlung. Absolut fehl am Platz ist oberflächliches, nicht fundiertes Gerede.

    

         

Nach meinen langjährigen Erfahrungen, bin ich erstaunt über den Ablauf der Synode über die Familie. Dass so etwas endlich in den vatikanischen Hallen möglich ist. Der Papst hat seine Getreuen zu klerikalem Ungehorsam aufgerufen. Eine neue Freiheit ist/scheint damit angebrochen: die Redefreiheit. Es soll kollegial miteinander gesprochen werden. Die offene Debatte ist Wirklichkeit geworden. 

Und ich höre: "Wir brauchen einen missionarischen Wandel. Die Verkündigung muss etwas mit den wirklichen Problemen der Menschen zu tun haben." 

Ist das etwa eine Kehrtwende? Bisher wurden die Menschen in den realen Schwierigkeiten ihres Tuns allein gelassen, verurteilt, verdammt, ausgeschlossen. Zu ihrem ewigen Heil sollten sie mit der Moralkeule traktiert und zurechtgewiesen werden. Auch in diesem Kontext sprach diese hochwürdige, im Namen Gottes redende Gesellschaft von Barmherzigkeit mit den ach armen Sündern. Ob jene Barmherzigkeit etwas mit der vom Nazarener aus dem Evangelium zu tun hat?

Kommt es jetzt zu einem umfassenden Umdenken in der katholischen Kirche? Wird sie endlich wieder den Zugang zur Wirklichkeit der Menschen finden und wie lange wird dieser Weg dauern?

Hoffentlich ist diese römische Synode ein wirklicher Neuanfang!

 

 

Ich hatte ein gutes, aufschlussreiches und sehr offenes Gespräch mit Vertretern der Amtskirche. Ich wurde in der Annahme bestätigt, dass die katholische Kirche sich in einer schwierigen Umbruchsituation befindet und dass die Aussichten auf eine rasche Neuentwicklung gering sind. Erschwerend finde ich die Tatsache, dass ein grösserer Teil der Pfarrer der Diözese den aktuellen Anstrengungen ablehnend gegenübersteht. Die klerikal beherrschte Volkskirche liegt in den letzten Zügen. Darüber hinwegtäuschen können noch gross angelegte Veranstaltungen wie die Oktave und die Springprozession in Echternach.

Ob die Losung des Erzbischofs" das Evangelium Jesu Christi verkünden" dazu führen wird , dass die Kirche  existenz- und menschennah wird hängt sicher besonders von der Bereitschaft und dem Einsatz katholischer Laien ab. Vor allem aber muss sich das bestehende katholische Machtsystem verändern. Wie aber soll das geschehen, wenn keine Entwicklung darauf hinweist, dass sich an der amtlichen " von Gott gewollten und von Jesus selbst eingesetzten absolutistischen Machtstruktur" grundlegend etwas verändert. Dafür sehe ich keinen Anzeichen. Ob ein demütigeres Auftreten und Gebaren des aktuellen Papstes und verschiedener Amtsträger genügen um eine wesentliche Veränderung der vatikanischen Machtstruktur herbeizuführen, daran zweifele ich. Besteht die Essenz des katholischen Kirchenverständnisses doch in der unfehlbaren Annahme, dass gerade wegen der Fehlbarkeit allen menschlichen Wollens Gott in seiner Güte die Kirche als eine vollendete und irrtumsfreie Gemeinschaft gegründet hat. Sündhaft sind die Menschen, doch heilig sind die Ämter der Kirche.    

Hoffentlich wird es eine echt katholische Veranstaltung in der die hohen, berufenen Herren alle Angst voreinander überwinden, um in der Freiheit geistiger Erkenntnis und Ehrlichkeit miteinander zu reden und aufeinander hören. Vor dem Papst brauchen sie sich jedenfalls in dieser Synode nicht in Acht zu nehmen. Dieser möchte doch, dass die Synodalväter sich in einer offenen Debatte auseinandersetzen, ja streiten.

Es geht um Fragen, die das Leben und Zusammenleben der heutigen Menschen zutiefst betreffen, die aber die katholische Kirche mit einer starren und dogmatisierten Moral belegt. Diese von der Normalität menschlichen Lebens abgehobenen, durch göttliche Erwählung hochgehobenen, in barocken Gewändern sich bewegenden hochwürdigen Männer sind berufen,  sich mit den Fragen der Sexualmoral und den modernen Lebens- und Daseinsformen heutiger Menschen ordnend zu befassen: Ehen ohne Trauschein, geschiedene Ehen, Zweitehen, Patchworkfamilien, Homosexuelle Partnerschaften...

Es ist ein scharfer Konflikt, der seine Basis im Umgang mit der Heiligen Schrift und dogmatisierten als unveränderlich erklärten Festlegungen im Bereich der Familie findet. Ich bin gespannt, welchen Ablauf die Synode nehmen wird und ob sich etwas an den wie festgeeisten Fragestellungen bewegen wird. Bei mir überwiegt der Zweifel, dass sich Grundlegendes und damit für zahlreiche Christen Befreiendes an der kirchlichen Lehre verändern wird. Zu hart sind  die Fronten. Zu tief sitzen die Ängste voreinander.

Vielleicht mündet ja dieses großangelegte Geschehen wieder in einem Aufruf zum gütigen und barmherzigen Umgang mit straffälligen und deshalb ausgeschlossenen Brüdern und Schwestern. Trotzdem bleibt die Hoffnung, dass die katholische Kirche in der heutigen Welt und bei den  suchenden Menschen  ankommt.