Papstkrise

 

Wir erinnern uns an das Jahr der Barmherzigkeit. Vier Millionen Menschen bewegte Papst Franziskus mit seiner herzlichen Präsenz. Ist diese Zeit nun zu Ende? Im Vatikan tobt ein leiser Stellungskrieg. Die Opposition gegen Franziskus steht innerkatholisch extrem-rechts. Sie hält ihn für einen Kirchenverderber, der die wahre Lehre, den überkommenen Glaubensbestand nicht verteidigt und so das Christentum den heutigen Menschen samt ihren Irrtümern anpasse. So lautete der dramatische Kern der Vorwürfe. 

Bringt man das auf den Begriff, geht es um Häresie, um Verrat am Glauben. Ist dieser Papst ein Häretiker?  Vier alte  Kardinäle verkörpern die theologische Opposition. Mit ihrer unbarmherzigen Befehls- und Gehorsamstheologie  stammen sie alle aus der autoritären Zeit der vorhergehenden Päpste. Sie beschweren sich, der Papst verwässere die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe, weil er die Betroffenen selbst entscheiden lasse, ob sie der Kommunion teilhaftig werden wollen oder nicht.

Franziskus offenbart damit Stärke, weil er unter dem Label Barmherzigkeit mehr Humanität in die Kirche hineinprojiziert. Aber zeigt er nicht auch Schwäche durch sein Zaudern indem er vor heißen rechtlich wirksamen Reformen wie zum Beispiel dem Diakonamt für die Frau oder einer Freistellung der Ehelosigkeit für Priester zaudert ?

          

FABRIK STATT KIRCHE

 

Die Kirche muss sich erneuern, damit sie nicht zur weltfremden Sekte entartet. Ihr aktueller Zustand ist katastrophal. Noch gibt es genug einsichtige Kräfte. Zwischen Staat und Kirche wurden einvernehmliche Konventionen ausgehandelt...  Erneuerungspläne sind angedacht. Neue Strukturen, neue Wege, Versuche, Schwierigkeiten, Experimente…, Fortschritte…

Da schallt es aus dem Hinterhof. Die  sogenannten Kirchenfabriken, Reliktorganisationen aus dem 19 Jhrt. zeigen ihre Existenz. Lange waren die meisten von ihnen willfährige Gebilde, die jährlich für Unterschriften gebraucht wurden. Jetzt werden sie lebendig und bekunden gewichtigen Tatendrang. Anstatt  hilfreich mitzuwirken im Sinne einer notwendigen,  zeitgemässen Erneuerung der kirchlichen Besitzstände, schwingen sie die Besitzerkeule und streben nach richterlichem Bescheid. Wohin soll das führen?

Fairhandel statt Freihandel

 

CETA  TTIP  TISA  : Freihandel über alles! Es ist der Versuch, einen möglichst wenig regulierten Kapitalismus durchzusetzen - mit den Zielen möglichst viel Liberalisierung, möglichst viel Markt, möglichst wenig Staat…

CETA, TTIP, TISA  stoppen! Das ist ein starkes Bekenntnis zur Demokratie. Millionen Menschen demonstrieren mit Unterschriften und auf der Strasse dagegen, dass sie bei wichtigen Entscheidungen nicht beteiligt werden. Trotz der Geheimniskrämerei der Verantwortlichen durchschauen sie , dass es bei diesen Abkommen um viel mehr als um Zoll- und Handelsfragen geht: auf dem Spiel steht die Demokratie. Im Mittelpunkt der Texte stehen drei grosse Veränderungen, die tief in das Verhältnis zwischen Politik, Bürgern und  Wirtschaft eingreifen:

  • der Schutz der Investoren wird zum übergreifenden Ziel der Politik
  • eine Paralleljustiz soll die Klagerechte der Unternehmen schützen
  • alle Handelsgesetze sollen künftig mit Freihandelsabkommen vereinbar sein 

Fairhandel: 

Weltweit verhandeln Politiker über Freihandelsabkommen: die billigsten Anbieter werden gefördert auch wenn sie Mensch und Natur ausbeuten. 

Eine faire Zukunft für alle Menschen bietet jedoch nur eine Weltwirtschaft, die auf gerechtem Handel, ökologischer Verantwortung und echter demokratischer Beteiligung aller Menschen beruht.

Ein weiter Weg zu ethischem Handel statt Wirtschaftsdiktatur. Nur ein Traum? 

 

 

 

 

Gestern, am 15.Dezember2016  sprach 

Prof.Dr.Hermann Häring 

in der Uni Luxemburg über 

Bosheitserfahrungen 

 

Hier eine seiner Thesen: 

Wir erfahren Übel und Böses als allgegenwärtig und unfassbar, in allen Sektoren der Wirklichkeit,

auf allen Ebenen menschlichen Handelns.  

Deshalb ist die Bereitschaft zu Selbstbeobachtung, Selbstkritik, Selbstkorrektur und 

autonomem Handeln unverzichtbar. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verordnung Zölibat

 

Vor kurzen hörte ich einen Bischof sagen -es war bei einer Priesterweihe-

„Das Zölibat ist nicht unmenschlich“

 

Ja, zölibatär leben wollen aus freiem Entschluss

kann ein menschlicher Lebensweg sein,

für immer oder auf Zeit.

Aber unmenschlich bleibt jeder verordnete, auferlegte Zölibat,

als lebenslanger Gott geweihter Käfig, 

der sich nur öffnet,

wenn man demütig bittend 

vor die „gottmächtige“ Obrigkeit kriecht.

 

Die Geschichte des Zölibatsgesetzes sollte man einsehen.

Jahrhundertelange Pein,

arges, auferlegtes Joch

wegen kultischer Reinheit.

Denn Sexualität macht unrein.

Eine Frage des Glaubens 

entartet in eine disziplinäre Angelegenheit.

Priester sind für Gott reserviert,

ausschliesslich.

 

Ich höre sagen: 

Das war gestern, heute gibt es dazu andere Gründe…

Dieses Gestern aber herrscht weiter in vielen Köpfen.

Dieses Gestern regiert weiter unter neuen Flaggen.

Belastet weiter, schafft  weiter Unheil, schränkt  weiter Leben ein…

Dieses Gestern verhindert noch immer kirchlichen Fortschritt

für unsere Zeit, für das Leben der heutigen Menschen und ihren Glauben.

 

Dieses Kirchengesetz ist noch immer ein heisses Eisen.

Sonst würde man es anfassen.  

Täte man es 

könnte das klerikale Machtgebäude einstürzen 

und davor hat man Angst