Beim plötzlichen Tod eines Freundes, der katholischer Priester war, kamen mir folgende Gedanken.

Schon lange- auch in eigener Sache- verspüre ich den Drang mich zu Umständen, Missständen und Abläufen in meiner katholischen Kirche zu äussern. Ich werde es fortan tun. Ohne Anklage. Aber deutlich, aus meiner Einsicht  und in erkämpfter geistiger Freiheit.

 

Seine letzte Zeit war ein Sich-Schleppen,

der Lebensnerv, die Existenzfreude waren weg.

Er war 74 Jahre alt und seine Aufgabe war grösser denn je.

Durchhalteparolen aus seinem Innern,

eingegossen, aufgetragen, ins Herz geweiht,

aus göttlich beauftragter, hehren, geheiligter Höhe.

Zuspruch von Freunden, Erwartungen der Gläubigen,

Durchhalteparolen der Obrigkeit, 

Mangel an Veränderungskraft, Müdigkeit...

Da kam die Erlösung, die Befreiung, der Hinübergang.

Ohne Siechtum, ohne Schmerzen, ohne Zerrüttung, ohne Geistesverlust.

Inmitten seiner Freunde , seiner Leute, seiner Kirchen, seines Wirkens...

Da lag er tot, im Frieden, im Leben, in der Auferstehung, in Gott.

Allenthalben Erwachen, Aufregung, Trauer, Bedauern, Schmerz,

Nachrufflut, Glockengeläute, Lobeshymnen, Bischofsworte...

 

Müssen katholische Priester so leben?

In Hingabe bis zum letzten Atemzug, ausgebrannt, in leiblicher Qual,

in geistiger Pflicht, überfordert räumlich, zeitlich...

Fronarbeiter einer Institution.

Eingeschworen bis ans Ende ihres Lebens.

Notwendig, verpflichtet bis zum letzten Atemzug. 

Braucht die katholische Sache Gottes, der Gott des Evangeliums,

zölibatäre Lebensopfer?

Was für ein Gottesbild wird so verkündigt?

Ein Gott der Männer beruft und auserwählt,

um sie in eine "Mannschaft" einzugliedern,

mit Haut und Haaren, mit Körper und Seele,

ohne Familie und Nachkommenschaft.

Dafür gezeichnet mit unauslöschbarem Merkmal für immer und ewig.

Als hochwürdiger Diener der Kirche,

unterworfen dem römisch-katholischen Kirchenrecht,

damit Kirchenmacht sich weltweit ausbreitet...

Alles für den Dienst am Evangelium des Jesus von Nazareth!?